Projekte

Die Forschungsschwerpunkte des Instituts für Orientalistik sind sehr vielfältig und umfassen kulturgeschichtliche, historische und sprachliche Themen mit Bezug auf den Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika. Nachstehend finden Sie einen Überblick über Projekte am Institut für Orientalistik.


Diplomatik und Paläographie neu- und spätbabylonischer archivalischer Dokumente

Projekttyp:

FWF – Fonds für wissenschaftliche Forschung

Prof. Michael Jursa (Leitung)

Mitarbeiter:

Dr. Reinhard Pirngruber

Laufzeit:

3 Jahre (1. März 2014 bis 28. Feber 2017

Kurzbeschreibung:

Dieses Forschungsprojekt stellt den ersten Versuch dar, in umfassender Weise die Beziehungen zwischen dem Inhalt keilschriftlicher Archivtexte aus dem Babylonien des ersten vorchristlichen Jahrtausend und ihrer externen Charakteristika, allen voran Tafelformat und Schrift, zu untersuchen. Da diese beiden Aspekte bisher vernachlässigt wurden, obwohl ihre Bedeutung für Fragen der Datierung sowie der Archivzugehörigkeit außer Frage steht, wird hier ein wichtiges Forschungsdesideratum angesprochen. Aufgrund der reichhaltigen Quellen stellt das erste Jahrtausend v. Chr. einen besonders geeigneten Rahmen für eine solche Untersuchung dar.

Nach Erstellung eines repräsentativen Textsamples sollen die relevanten äußeren (extrinsischen) und inneren (intrinsischen) Merkmale in einer Datenbank gesammelt werden. Das Hauptinteresse liegt auf der systematischen Korrelation der äußeren Form der Tafeln mit den diversen zumeist auf Basis der Textformulare unterschiedenen Dokumentkategorien. Dabei wird besonderes Augenmerk auf Schreiberpraktiken wie Siegelungen und das Anbringen aramäischer Vermerke gelegt - Phänomene, die im Rahmen einer Diplomatik bisher vernachlässigt wurden. Der zweite Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Paläographie, welche im methodischen Instrumentarium der Assyriologie bisher eine nur untergeordnete Rolle spielt. Der erste Schritt besteht hier in der Identifikation und Dokumentation normativer Standardzeichenformen sowie der auftretenden regionalen und diachronen Variationen. Weiterführend wird eine Objektivierung der möglichen Kriterien einer Unterscheidung verschiedener ductūs (kalligraphisch und kursiv) angestrebt. Zu diesem Zweck soll auch ein Textkorpus datierter chronographischer Texten untersucht werden, und die dort vorkommenden Zeichenformen mit der Evidenz der archivalischen Dokumente verglichen werden.

Für beide Bereiche wird dieses Projekt einen Pionierversuch zur Erstellung einer standardisierten Terminologie für Tontafelformate und die auf ihnen beobachtbaren äußeren Phänomene in den gängigen Wissenschaftssprachen unternehmen. Die Forschungsergebnisse werden in erster Linie in Form einer Monographie vorgelegt werden. Darüber hinaus wird eine durchsuchbare photographische Zeichenliste, welche die Entwicklung der babylonischen Keilschrift im ersten Jahrtausend v. Chr. dokumentiert, auf der Projekthomepage angeboten werden.

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Sprachliche Dynamik im Großraum Tunis: Ein korpusbasierter Ansatz

Projekttyp:

Gefördert von: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung - FWF
Nationaler Forschungspartner: Karlheinz Mörth (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Mitarbeiter:

Univ.-Prof. Dr. Stephan Procházka (Leitung)
Mag.a Ines Dallaji
Ines Gabsi
Ines Ben Brahim
Mag. Omar Siam

Beginn:

01.08.2013

Laufzeit:

3 Jahre

Kurzbeschreibung:

Der arabische Dialekt der tunesischen Hauptstadt hat lange Zeit zu den am ausführlichsten beschriebenen Stadtdialekten der arabischen Welt gezählt. Erste wissenschaftliche Beschreibungen gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück. Der überwiegende Teil der bisher vorliegenden Arbeiten widmet sich phono­logischen und morphologischen Fragen sowie soziolinguistischen Analysen. Im Gegensatz dazu fehlen syntaktische Studien und Wörterbücher, die auf authentischen Texten basieren, so gut wie vollkommen. Ebenso wenig hat sich die dialektologische Forschung mit der sprachlichen Dynamik der letzten Jahrzehnte beschäftigt, welche hauptsächlich durch tiefgreifende demographische Veränderungen in der Region ausgelöst wurde. Die heute in Tunis gesprochene Varietät des Arabischen kann mit Recht als eine Koine bezeichnet werden, welche nicht nur im Großraum der Stadt selbst, sondern darüber hinaus auch in anderen Teilen Tunesiens verwendet wird.

Das Projekt fokussiert auf die Sprache jener jungen Generation, die zwar schon in der Stadt aufgewachsen ist, deren Eltern jedoch größtenteils aus verschiedenen Regionen des Landes in den Großraum Tunis gezogen sind. Neben dem Hauptziel der Beschreibung der Sprache der unmittelbaren Gegenwart soll das Projekt zu zwei konkreten Produkten führen: einem repräsentativen digitalen Korpus, das auf authen­tischen und spontanen Gesprächen basiert, und einem darauf aufbauenden digitalen Wörterbuch. Offen zugängliche digitale Korpora arabischer Dialekte, welche sowohl eine linguistische Transkription als auch Übersetzungen bieten, existieren bisher so gut wie nicht. Außer als Quelle zur Erstellung eines elektro­nischen Wörterbuchs soll dieses Korpus auch dazu dienen, ausgewählte syntaktische und morphologische Phänomene zu untersuchen. Was das Wörterbuch betrifft, so wird es auch auf gezielten Interviews sowie Daten aus bereits publizierten Glossaren und Wortlisten gespeist werden. Damit erhält es eine diachrone Dimension, welche es erlauben wird, die sprachlichen Dynamiken im Bereich des Lexikons zu analysieren.

Einer der innovativen Ansätze des Projekts liegt darin, dass es arabistisch-philologische Forschung mit modernster Informationstechnologie verknüpft und dadurch neue Perspektiven eröffnet. Die dabei verwendeten Tools und die aus dieser Kooperation gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse können für ähnliche strukturierte Studien genutzt werden. Dazu gehört die enge Verknüpfung von Korpus und Wörterbuch, die direkten Zugriff auf die jeweils andere Datenressource ermöglichen wird. Über ein Web-Interface werden diese Daten der Scientific Community zur Verfügung gestellt und können in Zukunft auch von anderen genutzt und erweitert werden. Besonderes Augenmerk wird auf die derzeit in der digitalen Philologie gültigen Standards sowie auf die Wiederverwertbarkeit und längerfristige Verfügbarkeit der Daten gelegt werden.

 

Homepage:

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Vienna Observatory of applied Research on Terrorism and Extremism (VORTEX)

Gefördert von: Bundesministerium für Inneres

 

Mitarbeiter:

Univ.-Prof. Dr. Rüdiger Lohlker (Leitung)
Mag. Dr. Nico Prucha
Dr. Ali Fisher

Beginn:

01.10.2015

Ende:

30.09.2016

Kurzbeschreibung:

Dieses Forschungsprojekt unternimmt den Versuch auf der Grundlage einer systematischen Erforschung dschihadistischer Onlineaktivitäten, Strategien und Inhalte die Rahmenbedingungen für die Entwicklung alternativer Formen von islamischer Onlineaktivität zu entwickeln.

Praktisch umgesetzt wird dies in Kooperation mit dem in Indonesien basierten Projektpartner, über den in Zusammenarbeit mit indonesischen Gelehrten der welweit größten muslimischen Organisation, der Nahdutul Ulama (NU), entsprechende alternative Inhalte etc. produziert und online gestellt werden.

 

Homepage:

http://www.vortex.univie.ac.at

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