Forschung

Die philologische, kulturwissenschaftliche und historische Forschung am Institut für Orientalistik betrachtet grundsätzlich den gesamten Nahen und Mittleren Osten einschließlich der von dieser Region stark beeinflußten angrenzenden Gebiete (insbesondere Nordafrika, Zentralasien und den Balkan). Die notwendigen Schwerpunkt- setzungen ergeben sich aus den am Institut vorrangig vertretenen wissenschaftlichen Disziplinen, der Altorientalistik (Assyriologie) einschließlich der Vorderasiatischen Archäologie, der Arabistik, der Islamwissenschaft und der Turkologie. Eine Erweiterung dieses Spektrums, insbesondere im Bereich der Iranistik und der Südarabienkunde, wird angestrebt bzw. ist bereits eingeleitet. Der innere Zusammenhang dieser sowohl historischen als auch gegenwartsbezogenen Fächer ergibt sich aus der kulturräumlichen und sprachlichen Kontinuität, welche die Geschichte und Gegenwart des Nahen und Mittleren Ostens auszeichnet. Er spiegelt sich in fachübergreifenden Forschungs-
interessen und in der interdisziplinären Ausbildung der Studierenden auf der BA-Ebene, zu der alle am Institut vertretenen Disziplinen beitragen.

Die Altorientalistik (Assyriologie) und die Vorderasiatische Archäologie beschäftigen sich mit den Sprachen, der Kultur und der materiellen Hinterlassenschaft der Zivilisationen des Antiken Mesopotamien. Unsere philologisch-historische Arbeit und die stark forschungsgeleitete Lehre konzentrieren sich vor allem auf die Erschließung von in Keilschrift überlieferten Texten in Sumerisch und Assyrisch-Babylonisch. In Wien liegen die Forschungsschwerpunkte einschließlich der Drittmittelprojekte im Bereich der mesopotamischen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und der Religionsgeschichte. Als notwendiges Komplement hierzu beschäftigt sich die Vorderasiatische Archäologie mit praktischer Feldforschung sowie mit der kunst- und architekturhistorischen Erschließung mesopotamischer Funde.

Das Arabische in all seinen Formen ist primärer Gegenstand der Arabistik. Die Wiener Arabistik ist Sitz einer der in Europa führenden Forschungsgruppen auf dem Gebiet der arabischen Dialektologie. Oft drittmittelgeförderte Feldforschung und Sprachdokumentation im Bereich der gesprochenen Varietäten des gegenwärtigen Arabisch stehen daher im Mittelpunkt der Forschung. Der starke Gegenwartsbezug dieser Arbeit und ihr Interesse an nicht-normativen oder elitenbezogenen kulturellen Ausdrucksformen resultiert in einem zweiten Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der populären Kultur und der Volksreligion in der islamischen Welt. Hier ergeben sich notwendige Bezüge zur Islamwissenschaft, die die gesamte Bandbreite religiöser Phänomene im Bereich des Islam einschließlich des islamischen Rechts untersucht. In Wien ist die islamwissenschaftliche Arbeit sehr stark gegenwartsbezogen. Zu den wichtigsten Themen gehören die ‚Dschihad‘-Forschung und die Erscheinungsformen des Islam im Internet; hierzu ist am Institut auch ein Drittmittelprojekt eingeworben worden.

Als philologische Disziplin behandelt die Turkologie in Wien primär das Türkische im weiteren Rahmen der anderen Turksprachen. Das Schwergewicht unserer Forschungsarbeit liegt auf den verschiedenen Formen des Osmanisch-Türkischen. Auch die historisch-kulturwissenschaftliche Arbeit hat ihren hauptsächlichen Fokus im Bereich der Osmanistik. Eine typische Form unserer Arbeit ist die kommentierte Quellenedition, für die wir insbesondere aus den reichen Wiener Archivbeständen schöpfen können.